|
Bericht über den Schullandheimaufenthalt der Klassen 6a und 6b im Jugendzentrum "Gleichberge" bei Römhild / Thüringen Schon die Fahrt zum Schullandheim war ein Erlebnis. Bis Römhild ist es ganz schön weit und so fuhren wir an der Frankenhöhe vorbei durch den Ochsenfurter Gau, das Maintal, den Gramschatzer Wald, die Rhön, den Steigerwald und das Grabfeld, von dem aus in der Ferne schon die massiven Blöcke der Gleichberge zu sehen waren. Doch galt es nicht nur die Vielfalt der fränkischen Kulturlandschaft zu bestaunen, wir umrundeten auch - allerdings nicht ganz freiwillig - das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld.
Beim ersten Anblick des Schullandheims kam nicht bei allen Schülern die große Begeisterung auf. Das Haus I des Jugendzentrums "Gleichberge" kann nun einmal seine Geschichte als ehemalige Kaserne nicht verleugnen und ist architektonisch nicht unbedingt ein Schmuckstück. Doch nach der neu vorgenommenen Zimmerverteilung - Mädchen Haus I, Buben Haus II - machte die anfängliche Beklemmung großer Zufriedenheit Platz, denn dank der variablen Bettenzahl in den Zimmern konnten alle Wünsche bezüglich der Belegung erfüllt werden - jeder konnte mit seiner Clique zusammenziehen. Nachdem die Zimmer verteilt, die Betten bezogen und die Schränke eingeräumt waren, erläuterte die Leiterin des Jugendzentrums, Frau Fleckstein, die Hausordnung. Nun war Flexibilität gefragt, denn die für den Nachmittag geplante Waldrallye musste verschoben werden. So machten wir uns nach Römhild auf und lernten diese Stadt ein wenig kennen. Besonders gefielen uns der Marktplatz und das Schloss "Glücksburg". Die Schüler durften eine Viertel Stunde allein den Markt Römhild erkunden, was viele dazu benützten, ihre Süßigkeiten- und Getränkevorräte zu ergänzen. Dabei ging ein Schüler abhanden, der jedoch schnell wieder von einem der drei Suchtrupps gefunden wurde. Auf dem Rückweg legten wir in Gruppen nach der Anregung von Frau Bergmann an einer idyllischen Waldwiese Bilder von Waldgeistern. Wir gestalteten die Bilder mit den Materialien, die Feld und Wald hergaben. Kreativität war schon beim Auffinden und Heranbringen der Materialien gefragt. Jede Gruppe schuf so ein unverwechselbares Bild.
Abends vergnügten wir uns mit Brettspielen, beim Tischtennis, bis DJ Ernst Meyer die Disco eröffnete, die begeisterten Anklang fand.
Am nächsten Tag stiegen wir in das Keltenprojekt ein. Nachdem Frau Fleckstein den Ablauf des Projekts dargestellt hatte, führte uns Herr Büttner, ein Mitarbeiter vom Thüringischen Landesamt für Archäologische Denkmalpflege, in die Wissenschaft der Archäologie ein. Dazu hatte er auch echte Demonstrationsobjekte mitgebracht, unter anderem Pfeilspitzen aus Stein, Bronze und Eisen. Er erläuterte die Bronzeverarbeitung und führte uns zum größten eisenzeitlichen Hügelgräberfeld Thüringens im Merzelbachwald. Etwas gruselig zumute wurde uns, als er vom Inneren der Grabhügel sprach, die Schmuckreste, niedergebrannte Scheiterhaufen und Tonkrüge mit Leichenbrand bergen.
Die geschichtlichen Zusammenhänge wurden uns erst beim Besuch des Steinsburgmuseums, das wir nach einer einstündigen Wanderung erreichten, richtig klar. Dort führte uns Herr Stoi durch die fünf Ausstellungsräume. Er erläuterte die Entwicklung der Kultur und der Lebensweise von den Jägern der Mittelsteinzeit über die Bauern der Jungsteinzeit, Bronzezeit und vorrömischen Eisenzeit bis hin zu den Bewohnern der hochmittelalterlichen Siedlung Altenrömhild. Den Schwerpunkt der Ausstellung bildet die Darstellung der keltischen Besiedlung der Steinsburg auf dem "Kleinen Gleichberg". Den Abend verbrachten wir mit Singen und Gemeinschaftsspielen. Am Mittwoch fand vormittags die Waldrallye statt. Herr Langguth erklärte zunächst Sinn, Zweck und Aufbau der Waldrallye und teilte dann jede Klasse in je fünf Gruppen ein. Diese wurden schließlich mit einem Betreuer auf einen interessanten Parcours durch den ans Schullandheim angrenzenden Wald geschickt. Es galt Bäume und auch deren Alter zu bestimmen, Entfernungen zu schätzen, den Wald als Lebensraum für Pflanzen und Tiere und in seinen vielfältigen Funktionen zu begreifen. Alle Gruppen waren mit Feuereifer bei der Sache. Dem entsprach dann auch das Ergebnis: Es gab zwar eine erste Gruppe, doch alle Gruppen waren Sieger, denn die Resultate lagen sehr nahe beieinander. Nachmittags begann nun die praktische Gruppenarbeit am Keltenprojekt. Frau Fleckstein teilte jede Klasse nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen auf. Jede Gruppe wählte ihren Teamer, ihren Schreiber und ihren Timer und musste sich möglichst selbst organisieren. Dann verteilte Frau Fleckstein die Arbeitsaufträge. Eine Gruppe beschäftigte sich mit Schmuck und Kleidung, eine mit Hausbau, Landwirtschaft und Hauswirtschaft und eine Gruppe mit Bewaffnung und Verteidigung der Kelten. Die Schüler erfüllten ihre Aufgaben mit großer Begeisterung, was auch daran zu sehen war, dass die Gruppen nur zögerlich auseinander gingen, um die Zeit vor dem Abendessen noch zum Fußballspielen, Tischtennis, Toben, Lesen oder Unterhalten zu nutzen. Tanzspiele bereicherten die abendliche Disco. Schon beim Aufstehen wurde uns am Donnertag schmerzlich bewusst, dass dies unser letzter voller Tag im Schullandheim war. Nach dem leckeren Frühstück brachte uns ein Bus an den Fuß des Kleinen Gleichbergs. Dort erwartete uns schon Herr Büttner, der uns auf die Steinsburg führte. Die Kelten der Latènezeit gestalteten die Steinsburg als militärisches, wirtschaftliches und kultisches Zentrum. Aus geschichteten Basaltblöcken errichteten sie gewaltige Mauern, einst vier bis fünf Meter hoch und ebenso breit. Deren Wallreste sind immer noch mächtig, so dass sie uns gewaltig beeindruckten. Vom Gipfel des Kleinen Gleichbergs hatten wir einen prächtigen Rundumblick weit in die Rhön und in den Thüringer Wald hinein.
Besonders gut kam das Mittagessen an, das wir im Freien auf dem Berg einnahmen. Der Nachmittag diente der Reflexion über die gesammelten Eindrücke und über die Gruppenarbeit. Dann vollendeten die Gruppen die Arbeit an ihren Aufträgen. Der Höhepunkt des Nachmittags war die Präsentation der Arbeitsergebnisse. Jede Gruppe stellte nicht nur die Endprodukte ihres Schaffens vor, sondern erläuterte auch die Arbeitsschritte und ging darüber hinaus auf die zwischenmenschlichen Prozesse ein, die während des Projekts abliefen. Alle waren davon überzeugt, dass wir in jeder Hinsicht viel gelernt hatten.
Den Abschlussabend gestalteten wir mit Tanz, Spielen und den Prämierungen herausragender Leistungen. Viel gesehen, viel gewandert, viel gelernt,
viel getanzt, viel gebastelt, |