Streicherklasse

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Musik zu lernen, indem man
Musik macht, scheint ein überzeugender Weg zur gleichzeitigen
Entwicklung von Erleben, Können und Wissen. Warum Taktart oder
Tonart wesentlich für den Charakter eines Musikstücks sind,
vermittelt sich im Klassenorchester durch das Musikmachen, durch das
Erfahren. Auf diese Weise verbinden sich Theorie und Praxis ganz
selbstverständlich miteinander und die Musiktheorie verliert ihren
abstrakten Charakter. Nach zwei Jahren verfügen die
StreicherschülerInnen über sehr gute Grundlagen und setzen
erfahrungsgemäß zu einem hohen Prozentsatz den
Instrumentalunterricht an einer Musikschule oder im Privatunterricht
fort. Inzwischen sind an rund 60 Schulen in Deutschland
Streicherklassen eingerichtet worden – mit durchweg sehr guten
Erfahrungen. Dem breiten Fachpublikum wurde das Projekt
„Streicherklassenunterricht“ 1995 auf dem Hamburger
Musikschulkongress und 2004 auf der Bundesmusikschulwoche Hannover
vorgestellt.
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In den 70er Jahren entwickelte
der bekannte amerikanische Violinpädagoge Paul Rolland an der
University of Illinois im Auftrag der Regierung eine neue
Unterrichtsform für einen motivierenden Streicheranfangsunterricht
in großen Gruppen. In Europa fand die Methode Rolland vor allem
durch seinen früheren Assistenten Prof. Donald L. Miller
Verbreitung. 1991 richtete eine Gruppe engagierte Streicherpädagogen
nach einer Ausbildung bei Miller Projektklassen ein, um die Methode
an der Schule zu erproben. Ziel war es, eine entspannte, möglichst
natürliche Form des Streicherunterrichtes zu finden. Aufgrund der
prinzipiell gleichen Bauweise der Streichinstrumente, werden die
Instrumente auch prinzipiell gleich gespielt, so dass ein Unterricht
in großen Gruppen möglich ist. In kleinen Schritten wird von
größeren Bewegungen, die aus alltäglichen Bewegungen abgeleitet
sind, zu immer feineren hingearbeitet. Dabei werden automatisch die
psychomotorischen Fähigkeiten der Kinder mitgeschult. Das wichtigste
Prinzip lautet: teach music trough music
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Für großes Aufsehen haben in
Europa auch die dreitausend Kinder starken Geigerklassen des 1998 im
Alter von 99 Jahren verstorbenen japanischen Geigenpädagogen
Shinichi Suzuki gesorgt. In Deutschland tauchte die Suzuki- Methode
in den 70er Jahren auf. Von 1976-79 gab es einen Modellversuch, in
dem 60 Musikschullehrer erprobten, ob sich die Methode auf
westeuropäische Verhältnisse übertragen lässt.
Suzuki wurde 1898 in Nagoya geboren und obschon sein Vater eine
große Geigenfabrik besaß, eignete sich Suzuki das Geigenspiel erst
im Alter von 17 Jahren autodidaktisch an. Von 1920 bis 1928
studierte Suzuki bei dem Geiger Karl Klingler in Berlin und wurde
dort zu seiner späteren Unterrichtsmethode für einen Unterricht in
großen Gruppen angeregt. Zurück in Japan, entwickelte er diese
zusammen mit seiner deutschen Frau weiter und verbreitete sie in
zahlreichen Kursen, die er bis ins hohe Alter erteilte. Die Kinder
sollen von frühster Kindheit an mit Musik leben und durch hören und
nachahmen lernen. Suzukis Musikerziehung wird hierzulande oft als
Drill verstanden, denn das Gelingen der spektakulären Massenkonzerte
hängt von absolut synchroner Bewegung, von Genauigkeit und
Folgsamkeit ab. Das Zurücktreten des Einzelnen, oder auch Abtauchen
in das große Ganze sind Methode und Ziel, dem wiederum ein tieferer
Sinn beigemessen wird. Hier fließen Elemente der japanischen Kultur
ein. Daher erschließt sich die Grundhaltung der Methode aus
westlicher Sicht nicht ohne Schwierigkeiten und ist vielleicht auch
nicht ohne weiteres eins zu eins übertragbar, wenngleich Suzuki
Mozart als sein vollkommenes Vorbild sah. Suzuki glaubt, dass Musik
wie die Mozarts den Menschen in seiner Ganzheit ergreifen und seine
innersten Lebenskräfte freisetzen kann.
„Es geht in der Suzuki-Methode nicht primär darum, Instrumentalisten
und Spitzenbegabungen zu fördern. .... Der Begriff Suzuki-Methode
meint Lebenserziehung. Vielseitige Geschicklichkeit, Fähigkeiten und
Tugenden, wie Tatkraft, Sensibilität, Aufmerksamkeit, Konzentration,
Disziplin, Geduld und Fleiß, die im Instrumentalunterricht bereits
mit drei Jahren geübt werden können,...“ sollen ausgebildet werden.
(Zitate aus: Silke Kruse: „Shinichi Suzuki: „Ich möchte gute Bürger
formen.“ Erziehungsziele der Suzuki-Methode vor ihrem kulturellen
Hintergrund.“ Neue Musikzeitung nmz, 47. Jahrgang, 1998, S. 45ff)
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